Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie Kiel

zertifiziertes überregionales Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)

UNIVERSITÄTSKLINIKUM Schleswig-Holstein

Endokarditisprophylaxe
Was ist eine Endokarditis?

Das Endokard ist die innerste Zellschicht des Herzens, welche die Herzhöhlen, Gefäßinnenwände und die Herzklappen auskleidet bzw. überzieht, die sogenannte Herzinnenhaut. Bei Verletzungen oder Defekten dieser Schicht können sich bevorzugt im Bereich der unebenen Stellen Bakterien einnisten, vermehren und so zu einer Endokarditis, der Herzinnenhautentzündung führen. Die Bakterien sind hierbei durch Antibiotika schwieriger zu bekämpfen als bei anderen bakteriell-entzündlichen Erkrankungen, weil dieser Bereich schlecht durchblutet ist. Eine Endokarditis muß daher ganz gezielt mit ausgetesteten Antibiotika über mehrere Wochen intravenös behandelt werden. Die Endokarditis birgt viele Komplikationen, wie zum Beispiel Zerstörung von Herzstrukturen, sie kann auch heute noch eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellen. Daher ist es wichtig, eine Endokarditis zu verhindern, also eine Prophylaxe zu betreiben.
 

Kurze Geschichte der Endokarditisprophylaxe

Die Empfehlung, eine Endokarditisprophylaxe durchzuführen, erfolgte erstmals 1955. Seit dieser Zeit sind die Empfehlungen achtmal überarbeitet worden. Die aktuelle Empfehlung von 2007 löst die Empfehlung von 1997 ab, die noch unterschied zwischen Eingriffen im Mundhöhlen-, Nasen-Rachenraum, obere Atemwege neben Eingriffen im Bauch- und urogenitalen Bereich mit entsprechend unterschiedlicher Antibiotikaauswahl. Zudem wurden Patienten noch 3 Risikostufen zugeordnet. Folgende Gründe führten zur letzten Überarbeitung: Bei den nur sehr wenigen bekannten Endokarditisfällen um einen operativen Eingriff herum konnte aus verschiedenen Gründen ein eindeutiger Zusammenhang nicht belegt werden. Das Einschwämmen von Bakterien durch alltägliche Verrichtungen wie Zähneputzen, Kauen und die dabei verursachten kleinsten Verletzungen erfolgt in einem viel größeren Ausmaß.
Durch die Einnahme von Antibiotika können sich auch Resistenzen gegen Bakterien (Abnahme der Wirksamkeit) und auch Nebenwirkungen einstellen. Eine optimale Mundhygiene und Zahngesundheit erscheint hier die effektivste vorbeugende Maßnahme zur Vermeidung einer Herzinnenhautentzündung.
 

Durchführung der Endokarditisprophylaxe

Eine Endokarditis kann nur entstehen, wenn entsprechende Bakterien in die Blutbahn gelangen, im Bereich des vorgeschädigten Endothels einen guten Nährboden finden und sich hier vermehren und dabei insbesondere an den Herzklappen oder Herzklappenprothesen (Kunstklappen oder sogenannte Conduits) durch “Vegetationen” (Wucherungen bestehend aus Bakterien-, Bindegewebs- und Kalknestern) zur Zerstörung und dem Funktionsverlust dieser Strukturen führen. Die Herzinnenhautentzündungen werden fast ausschließlich durch Streptokokken und Staphylokokken hervorgerufen, Keime der Mundhöhle und des Nasen-Rachen-Raumes. Daher wird empfohlen, 30 Minuten vor Beginn des Eingriffes im Bereich der Mundhöhle, des Nasen-Rachenraumes oder der oberen Atemwege, wo mit Verletzungen/Blutungen und damit Keimeintritt in das Blut zu rechnen ist, einmalig ein Antibiotikum zu verabreichen, um eingedrungene Bakterien gleich abzutöten.
 

Empfohlene Antibiotika:


Amoxicillin 50 mg/kg KG (max. 2 g) oral 30 – 60 min vor dem Eingriff
Alternative: V-Penicillin 50.000 E/kg KG (max. 2 Mega)
Bei Penicillin- oder Ampicillin-Allergie: Clindamycin 20 mg/kg KG (max. 600 mg)

Weitere Hinweise finden Sie auf den Webseiten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie.

 

Für wen gelten die aktuellen Empfehlungen?

Es sind die Patienten, die vormals der Hochrisikogruppe zugeordnet waren:

 

  • Patienten mit Klappenersatz (mechanische und biologische Prothesen)
  • Patienten mit rekonstruierten Klappen unter Verwendung von künstlichem Material in den ersten 6 Monaten nach Operation *
  • Patienten mit überstandener Endokarditis
  • Patienten mit angeborenen Herzfehlern: “blaue” Herzfehler, die nicht oder palliativ operiert sind (z.B. “Shunt”)
  • operierte Herzfehler mit Conduitimplantation oder Restdefekten, d.h. turbulenter Blutströmung im Bereich des künstlichen Materials
  • alle operativ oder mittels Herzkatheter unter Verwendung von künstlichem Material behandelten Herzfehler in den ersten 6 Monaten
    nach dem Eingriff *

 

* nach 6 Monaten wird ein ausreichendes Überwachsen mit einer körpereigenen Zellschicht an Prothesen angenommen

 


letzte Aktualisierung: 21.09.2012

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