Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie Kiel

zertifiziertes überregionales Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)

UNIVERSITÄTSKLINIKUM Schleswig-Holstein

Der fetale Kreislauf

Im Mutterleib funktioniert der Kreislauf beim Feten anders als beim Neugeborenen nach der Geburt. Der Fet ist im Mutterleib über die Blutgefäße in der Nabelschnur mit dem Mutterkuchen (Plazenta) verbunden und so an den Blutkreislauf der Mutter angeschlossen. Sauerstoff- und nährstoffreiches Blut wird dem Kind direkt zugeführt, denn die Organe des Kindes befinden sich in der Entwicklung, können Stoffwechselprozesse noch nicht ausführen, die Lunge ist noch nicht in Betrieb.


Das sauerstoffreiche Blut mischt sich nach Eintritt der Nabelgefäße in den Bauch des Feten mit dem sauerstoffarmen Blut aus den Hohlvenen (SVC, IVC) des Feten und erreicht dann das Herz, von wo es den fetalen Kreislauf beginnt. Insgesamt ist das dem Kind zur Verfügung stehende Blut daher „Mischblut“, das etwas weniger Sauerstoff enthält, aber für die Versorgung der kindlichen Organe völlig ausreichend ist.

 

Jeder Fet hat eine Öffnung in der Vorhofscheidewand, das sogenannte Foramen ovale. Ein Großteil des Blutes, welches die rechte Vorkammer (RA) des Kindes erreicht, tritt direkt durch diese Öffnung in die linke Vorkammer (LA) über, strömt durch die Mitralklappe in die linke Herzkammer (LV) und von dort aus in die Aorta zu den Organen. Nur ein kleiner Teil des Blutes strömt durch die Trikuspidalklappe in die rechte Herzkammer (RV) und von dort aus in die Lungenschlagader (PA). Die Lunge erhält in der Fetalzeit Blut für die Versorgung des Gewebes und für die regelrechte Ausbildung der Lungengefäße, die aber im Mutterleib bis zur Geburt durch die Muskulatur in ihren Gefäßwänden „verkrampft“ bleiben. Daher ist der Lungengefäßwiderstand hoch, der sich dem Blutfluß entgegen stellt. Aufgrund dessen nimmt ein großer Teil des Blutes in der Lungenschlagader als Ausweiche den Weg über eine im Mutterleib bestehende Gefäßverbindung zwischen dem Hauptstamm der Lungenschlagader und dem absteigenden Teil der Körperschlagader, dieses Gefäß nennt man Ductus (siehe Kapitel “Persistierender Ductus arteriosus”).

 

Direkt nach der Geburt macht das Neugeborene seine ersten Atemzüge und entfaltet hierbei seine Lungen. Hierdurch beginnt ein Prozeß, bei dem sich die Lungengefäße „entkrampfen“, so daß der Lungengefäßwiderstand sinkt und Blut bis in die kleinsten Abschnitte des Lungengefäßbaums fließen kann. Durch die Atemzüge gelangt jetzt Luft in die Bronchien, und der Gasaustausch im Blut kann beginnen. Da jetzt auch mehr Blut aus der Lunge zurück über die Lungenvenen in die linke Vorkammer strömt, fließt kein Blut mehr von rechts nach links über das offene Foramen ovale, dieses verschließt sich meist vollständig.

 

Das Kind ist jetzt nicht mehr auf die Blutversorgung aus der Plazenta angewiesen und kann abgenabelt werden. Auch der offene Ductus arteriosus ist jetzt nach der Entbindung überflüssig und verschließt sich innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen von allein. Bei zahlreichen Herzfehlern ist durch die Fehlbildungen der Blutfluß in die Lunge oder in die Aorta erschwert oder völlig unterbunden, so dass der Kreislauf bei diesen Neugeborenen nicht mehr auf die im Mutterleib offenen Ausweichwege Foramen ovale und Ductus arteriosus zurückgreifen kann. Diese Neugeborene versterben innerhalb der ersten Lebensstunden bis –tage. Unter intensivmedizinischen Bedingungen ist es möglich, durch Gabe eines speziell wirksamen Medikamentes, dem Prostaglandin, den spontanen Verschluß des Ductus zu verhindern, bis durch eine Operation in den ersten Lebenstagen Abhilfe geschaffen werden kann. Bei Neugeborenen, die auf den Blutfluß über ein weites offenes Foramen ovale angewiesen sind, kann diese Verbindung durch Einsatz einer Herzkathetertechnik erweitert werden (Ballonatrioseptostomie oder Rashkind-Manöver).

 

Der oben genannte Prozeß der Senkung des Lungengefäßwiderstandes dauert einige Wochen. So kann es passieren, daß Kinder bespielsweise mit bedeutsamen Defekten in der Kammerscheidewand, bei denen viel Blut zusätzlich aus der linken Herzkammer in die rechte Hauptkammer und damit in die Lunge fließt, erst nach einigen Wochen das Vollbild ihrer Herzerkrankung zeigen.

Fetalkreislauf
  • SVC
  • IVC
  • RA
  • RV
  • PA
  • LA
  • LV
  • Aorta
  • For. ovale
  • Ductus

obere Hohlvene

untere Hohlvene

rechter Vorhof

rechte Herzkammer

Lungenschlagader

linker Vorhof

linke Herzkammer

Körperschlagader

Foramen ovale

Ductus arteriosus

Fetalkreislauf
  • SVC
  • IVC
  • RA
  • RV
  • PA
  • LA
  • LV
  • Aorta
  • For. ovale
  • Ductus

obere Hohlvene

untere Hohlvene

rechter Vorhof

rechte Herzkammer

Lungenschlagader

linker Vorhof

linke Herzkammer

Körperschlagader

Foramen ovale

Ductus arteriosus


letzte Aktualisierung: 21.09.2012

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